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Saarbrücker Zeitung
Ein Hauch Anmut weht durchs Land
Diskretion und Seriosität: Das sind die Prinzipien des plastischen Chirurgen Annibale Rossi

- von Patricia Klöpsch -

Ein Schönheitschirurg muss ein Gott sein. Gut gebaut eilt er mit blendendem Lächeln durch die marmornen Gänge seiner Privatklinik. Und wenn seine Zähne nicht mehr ganz so strahlen, hat der Herr Doktor zumindest ein paar Milliönchen auf dem Konto. Das zumindest verspricht das Fernsehen. Dr. Rossi ist plastischer Chirurg. Zum wehenden Kittel trägt er den klingenden Vornamen Annibale Giancarlo, und die Gänge seiner Klinik liegen im Saarbrücker Stadtteil Herren- sohr. Doch mit den strahlenden Leinwand-Schönheiten hat er nicht viel gemein. Eher zurückhaltend begrüßt der leicht ergraute Herr mittleren Alters seine Patienten in der Saar-Mosel-Klinik. Sehr ernst nimmt er seinen Beruf – wer zu ihm kommt, trifft auf einen angenehm seriösen und diskreten Menschen. Deutlich stellt er klar, wer bei ihm fehl am Platz ist. Jugendliche und Kinder zum Beispiel, "da bei ihnen das Wachstum noch nicht abgeschlossen ist". Eine Ausnahme macht Rossi bei abstehenden Ohren, die so früh wie möglich angelegt werden sollten. "Aber auch jungen Menschen, die ein verzerrtes Bild von sich haben, rate ich von einer Korrektur ab. Nur, wenn jemand mit seinem Aussehen seit Jahren unglücklich ist, stimme ich einer Operation zu". Das tut im Saarland längst nicht jeder. Hier wie deutsch- landweit dürfen alle nieder- gelassenen Ärzte Schönheit verkaufen. "Die Bezeichnung 'Schönheitschirurg' ist nicht geschützt, jeder studierte Mediziner darf sich so nennen", erklärt Rossi. Er selbst ist Facharzt für plastische Chirurgie: Nach seinem Medizinstudium absolvierte er noch einmal eine sechsjährige Ausbildung in diesem Fachbereich – "inklusive Not-, Nacht- und Wochenenddiensten". Seit 1994 hat Rossi in Saarbrücken eine Praxis. Im Sommer diesen Jahres wurde mit 15 Angestellten in Herrensohr die Saar-Mosel-Klinik eröffnet. Dort saugt er Fettpölsterchen von Bauch und Po, korrigiert gebrochene Nasen und strafft hängende Haufalten.
Die meisten seiner Patienten sind Frauen mittleren Alters, aber auch immer mehr Männer lassen sich operativ verjüngen. "Meist haben die Leute eine leitende Funktion in einer Firma. Sie müssen mit jüngeren Kollegen konkurrieren oder repräsentieren", erzählt der Arzt. Und weiter: "Wenn zwei Menschen aufeinander treffen, zählt der erste Eindruck." Damit dieser Eindruck positiv ist, muss das Gegenüber möglichst attraktiv sein. Das fällt Rossi besonders auf: "Wer heute alt aussieht, leistet nichts mehr", zitiert er gängige Werbesprüche. "Bei Opera- tionen, die medizinisch notwendig sind", zum Beispiel die Korrektur hängender Lider, die den Blick sehr einschränken, oder Hautlappen,
die nach einer Diät zurück- bleiben, werden die Kosten von den Krankenkassen getragen.
Nicht einfach ist es bei Patienten, die sich subjektiv durch einen Makel gestört fühlen. Bei ihnen entscheiden die Kassen, ob ihr Leid eine von der Versichertengemein- schaft bezahlte Schönheits- operation rechtfertigt. Dr. Rossi ist der Meinung, dass Schönheitsoperationen immer noch ein Tabu in unserer sonst so offenen Gesellschaft sind: "Was Gott geschaffen hat, soll der Mensch nicht ändern", hört der Arzt meist als Einwand gegen plastische Chirurgie.
Und weiß doch gleichzeitig: "Die Gesellschaft ist unbarm- herzig."

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